Trin und ich melden uns aus dem Urlaub zurück. In diesem Jahr stand Kroatien auf dem Programm. Der Entschluss war zügig gefasst,… der Honda del Sol mit wenigen Zentimetern Bodenfreiheit taugt nicht für die Reise in den Süden. Oma ´s Opel Agila in „Rostbraunorange“

sollte es sein. Sparsam….2 Jahre alt….. Platz…und zieht den Hering nicht vom Rost. Also wurde alles Notwendige zum Campen verpackt, der Blitz war noch zu 75% vollgetankt und es begann das Abenteuer Urlaub am Freitagabend des 18.07.2008…. kurz nach dem Abendessen. Am Sonntag wollten dann noch Trin´s Eltern mit dem Wohnmobil nachkommen. Was sind schon 1200 km…. Nix.
Eines sei noch erwähnt…1 Liter und 3 Zylinder im Auto sind absolut untauglich für die Kasseler Berge.
Aber dass der Opel ausgerechnet kurz hinter Würzburg in den unbefristeten Streik tritt hätte ich nicht erwartet. Gerade noch wurde die GPS-ermittelte Höchstgeschwindigkeit auf 161 wahnwitzige km/h „geschraubt“ und der Urlaubsverkehr rollte sanft dahin, da meldete der Motor „Arbeitsende“.
Glück für uns….es war die rechte Spur und der Blinker war gesetzt für eine Pinkelpause….. gegen 00.30 Uhr. Der herbeigerufene ADAC stellte dank tatkräftiger Hilfe meinerseits nach kurzer Zeit das Ende der Kommunikationsbereitschaft des Motorsteuergerätes fest. Mit 22.000 km auf der Uhr. Wenn das mal kein klasse Start ist in den Urlaub. Der im Auftrag des ADAC operierende „Abschlepper“ brachte uns dann auch in ein kleines, nennen wir es der Fairness halber „nettes Familienhotel“, in Burghaslach. Am Samstagmorgen wurde dann die Diagnose „Steuergerätetot“ durch den Abschlepper, gleichzeitig Opel-Händler, bestätigt, der Rücktransport dank Plus-Mitgliedschaft eingetütet und Pläne für die Zukunft geschmiedet. Ein Auto muss her ….
Es blieb also nur der CRX….der mal so eben überhaupt nicht für „Große Fahrt“ gerüstet war. Spätabends trudelte dieser dann auch bei uns im Hotel ein. Da das Reserverad zu Hause in der Garage geblieben war ergaben sich ungeahnte Möglichkeiten hinsichtlich des Volumens des Gepäckes. Aber eben nicht des Gewichtes wegen. Erste Bedenken machten sich breit.
Reicht der Abstand des hinteren (GFK) Fenders zum Erdboden wirklich aus?
P.S.: Bild zeigt eine 0,25l Flasche Coca Cola Light
Diese Frage bekamen wir einige Kilometer später bitterböse beantwortet. Eine zu tiefe Wasserablaufrinne vor dem McDonalds an der Autobahnraststätte Greding riss den Fender aus den Seitenteilen und uns den Geduldsfaden …..mit auf dem Boden schleifender Stoßstange ging es langsam und rückwärts in Richtung Betriebshof der Autobahnmeisterei. Wieder war es ein Pannenhilfsfahrzeug und mein Victorinox was die Weiterfahrt sicherte .Brutal wurden Karosseriescheiben über die ausgerissenen Löcher im Seitenteil gespannt und das Ganze, wenn auch optisch nicht ganz einwandfrei, funktionsfähig gemacht.
… Stunden später durfte ich dann auch noch die kroatische Grenzbeamtin ärgern. Sie fand die LED-Standlichter eher nicht so toll um mit ihnen nachts weiter zu fahren. Nachdem wir uns nun, Wohnmobil vorneweg, durch das Kroatische Outback den Weg in Richtung Rijeka geschlagen haben machten wir es uns auf einem Autobahnparkplatz zu Nacht im Gang des Wohnmobils gemütlich. Am nächsten Morgen …. Regen …. WTF!?… Zur Anreise sei noch gesagt, dass es nicht komisch ist in einem Tunnel im Stau zu stehen in dem gerade ein Unfall passiert war. Warum die kroatische Polizei noch Fahrzeuge in den ca. 6 km langen Tunnel lies darf man getrost als Irrsinn betrachten.
Aber endlich durften wir in Starigrad-Paklenica unser vom Clubtreffen bekanntes 6Mann-Zelt aufstellen. Großes Zelt bedeutet aber auch, neben Wohnkomfort, eine erhöhte Angriffsfläche für Wind. Schon am ersten Abend durften wir beobachten wie hektisch auf dem Markt zusammengeräumt wurde. Bora,…. Und damit war nicht der allseits unbeliebte VW gemeint. Die Nacht verbrachten wir also mit dem Nachschlagen von Heringen und der Fürbitte, dass das eigentlich günstige Zeltmaterial aus dem Supermarkt den Windkräften standhält. Zum Thema Heringe. Hier ergeht nochmal eindeutig der Dank an Oma Irene, jenige welche mit dem Opel Agila , kroatienerfahren seit ca. 35 Jahren, durch deren Hartnäckigkeit wir dann doch vor der Abfahrt leicht genervt den Beutel mit den Heringen in Empfang nahmen, die normalerweise den Tarnnetzen der Bundeswehr ihre Stabilität verleihen.
Endlich erwachte ein schönerer Tag. Nicht so heiß wie angedacht, aber dennoch ein Tag geschaffen wie für einen Ausflug in die Berge
Die Älteren unter uns werden sich noch an Winnetou erinnern. Diese Filme wurden zum Teil in Kroatien gedreht und zwar genau…..hier in der Umgebung von Starigrad,… bzw. in den Bergen des Velebit. Genau auf dieser Tour sollten wir einige Originalschauplätze mit dem Landrover anfahren und uns auch an der wunderschönen rauen Bergwelt erfreuen können. Auch nahm ich erschreckend zur Kenntnis, dass der ehemalige Frontabschnitt zwischen serbischer und kroatischer Armee nicht als minensicher gilt. Die allseits bekannten Warnschilder sind stumme Zeugen. Unser seit Generationen bekannter Reiseführer und geschätzter und familiärer Freund Marin Marasovic, ein wahrhaftiger Zeitzeuge.
Einige Tage später unternahmen wir dann eine Wanderung in den Nationalpark Paklenica. Wer schon einmal dort war, weiß die Schönheit der Berge zu schätzen. Es ist irgendwie atemberaubend. Viele Bergsteiger nutzen die sehr gut erkundeten Kletterpassagen um sich zu messen. Außerdem überließen uns zwei kroatische Mountainbikefahrer ihre Tagestickets. Bedingt durch sehr häufige kleine Pausen um Dinge zu fotografieren, verpassten wir leider die Öffnungszeiten der Jägerhütte, so dass wir gegen 18.30 den Rückmarsch ohne Bierpause antraten.
In der leichten Dämmerung sahen wir erneut einigen Bergsteigern in den Wänden zu, ….bewunderten sie. Ihre Kraft und Geschicklichkeit. Fragen kamen auf, warum die einen lediglich nur in der oberen Öse ihr Sicherungsseil eingeklinkt hatten. Andere hingegen sich tatsächlich an jeder Öse sicherten. Der kleine Kiosk knapp vor dem Ausgang hatte auch bereits geschlossen. Also gab es auch hier kein Bier für die abgekämpften Männer. Langsam tauchte die Abendsonne das Tal in ein sanftes rötliches Licht.
Hinter einer Ecke, an einer Felsspitze, sahen wir am Boden gehockt einige Bergsteiger. Am Boden schimmerten die Reflexionen einer Rettungsdecke. Beine bewegten sich unter der Rettungsdecke, begleitet von erst leisem Gestöhne das sich zu Schmerzensschreien verstärkte und wieder abebbte. Im Vorbeigehen sahen wir einen Mann am Boden liegen der von einigen Kameraden abgedeckt war. Eine Frau erklärte einem Mitarbeiter des Parks anhand von Gesten, dass der am Boden liegende einen schnellen und intensiven Herzschlag habe. Etwas abseits am Rand hockte laut schluchzend ein etwas jüngerer Bergsteiger. Schnell erkannten wir, dass es weder etwas zu helfen noch etwas zu verhindern gebe und setzten unseren Weg fort. Leicht irritiert ob der Ursache der Szenerie. Ein Krankenwagen kam, die Bergwacht samt Notarzt. Alles sah wohlorganisiert aus. Ein wenig konnte man sich über störende österreichische Touristen ärgern die ständig irgendwie, wenn auch unglücklich, im Weg standen. Der Krankenwagen passierte uns erneut talwärts. Als wir den Ausgang erreichten stand dort der Wagen mit Blaulicht und die Türen waren geöffnet. War erneut der Notarzt zum Eingreifen gezwungen? Im Krankenwagen selbst herrschte entspannte Ruhe. Ein Zugang war gelegt. Der junge Mann hatte entspannte Gesichtszüge. Der Hunger trieb uns weiter bergab. Allerlei Getier ergab sich den Linsen der Fotoapparate. Das sanft rote Licht versprühte seinen Zauber. Wir aßen zu Abend und fragten uns ein ums andere Male was denn passiert sei. Diese Frage wurde uns einige Tage später durch unsere Reiseführer bei der Jeep-Tour beantwortet. Aber lest selbst…KLICK
Was gibt es sonst noch zu berichten? Die Küstenstraße von Rijeka nach Zadar ist ein Kurvenparadies für Motorräder und wendige Cabriolets. Das Wasser ist sauber. Die Menschen freundlich. Das Leben teuer. In jeder Hinsicht.
Die weiteren Tage waren abwechselnd gefüllt von:
- Im sonnenüberhitzten Zelt gegen 9 Uhr aufwachen
- Aus Zelt flüchtend erste kalte Dusche nehmen
- Frühstücken
- Am Strand liegen
- Grillen, Essen gehen oder auch selten selber Kochen
- Zusammen sitzen / Kartenspielen
- Schlafen
Zwischendurch wurde noch einmal für eine Woche der Campingplatz gewechselt. Von Starigrad Paklenica ging es nach Fazana in der Nähe von Pula(Istrien). Etwas teurer, etwas überfüllter, etwas größer. Und etwas mehr Deutsche und Holländer, Kroaten waren hier nur noch selten zu finden, ausgenommen die Arbeitskräfte.
Am 07.08. entschlossen wir uns dann zur Rückfahrt. Schnellste Strecke: Fazana -> Rijeka -> Ljubljana -> Villach -> Salzburg -> München -> Kassel -> Hannover.
Und da doch eine gewisse Freude auf Zuhause vorhanden war, ging dies auch innerhalb von knapp 14 Stunden Fahrt in einem Zug, mit kleinen Pinkelpausen. Das Auto hielt relativ gut durch. Bei jeder Pinkelpause ein prüfender Blick auf die GFK Teile. Alles hält soweit.
Außer einem kleinen Zwischenfall auf der Autobahn, als ein LKW seine beiden Hinterräder verlor und die Achse auf der Straße schliff, Reifen von links nach rechts über die AB schossen, ein paar kleinen Staus…eine ruhige Rückfahrt, die um etwa 01:00 Uhr Freitag morgen in Hannover Garbsen endete. Nur noch schnell Wertsachen gepackt, und ab in die relativ warme Wohnung. Ins Bett gefallen und eingeschlafen…..
Fazit: Gerne wieder






