Was war passiert ? Der Vorgänger hatte die Feder maximal vorgespannt, weil er dachte, daß das das Motorrad hart macht und einen mehr zum Lenkkopflager bringt. Ich habe jetzt schon so oft von Stürzen gehört, wo keiner wußte weshalb und wieso, daß ich für diejenigen, die gerne mehr darüber erfahren möchten, kurz ne Anleitung zur Fahrwerkseinstellung schreibe.
Zu erst mal muß man mit dem alten Gerücht aufräumen, daß ne Feder durch weiteres vorspannen härter wird. Jede Feder hat ne Federrate, die man nicht verändern kann. Ist ne Feder zu weich, dann raus damit. Es gibt für verschiedene Motorradtypen und Fahrergewichte entsprechende Federn. Genauso ist der Einsatzzweck wichtig. Rennstrecke oder Landstráße !!!
Das Einstellen sollte im betriebswarmen Zustand geschehen !
Das Einstellen des Fahrwerks beginnt mit der Messung des Gesamtfederwegs A. Am Besten zu zweit machen! Dazu das Moto an der Front anheben und die Tauchrohrlänge vom Dichtungsring, wo das Tauchrohr einfedert, bis zum Schaft, der die Radachse aufnimmt, messen. Bei den meisten sind das 120 bis 130 mm. Jetzt das Motorrad ablassen, ein paar mal einfedern, gerade halten ohne zusätzliche Belastung und wieder messen. Jetzt sollte das Tauchrohr etwa 25-30 mm eingefedert sein (B). Wenn nicht, das Ganze durch Vorspannen oder Nachlassen der Feder korregieren. Jetzt auf das Moto aufsitzen, Hände zum lenker und noch mal messen. Nun sollten es im Vergleich zur ersten Messung (Gesamtfederweg) 35-40 mm sein ©.
Wenn ihr immer nur einen Wert erreicht, also entweder mit oder ohne Fahrergewicht, dann ist der Wert mit Fahrer der wichtigere. Zeigt dann aber auch, daß die Feder nicht optimal ausgelegt ist.
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387 downloadsNun zum Heck ! Hier ist es nicht ganz so einfach. Zum Messen nimmt man einen Bezugspunkt an der Radachse und einen, der " in etwa " an der Beifahrerfußraste sitzt. Da die Schwinge nicht gerade nach oben einfedert, sondern einen Radius vollzieht, sollte man hier in einem Winkel messen. Deshalb etwa auf Höhe der Fußraste. Man kann auch einen Klebestreifen in Nähe der Raste an die Verkleidung kleben und dann dort messen.
Jetzt wird das Heck von Einem angehoben und der Andere misst wieder den Gesamtfederweg. Motorrad gerade abstellen, einfedern und wieder messen. Das Heck sollte 5-15 mm eingefedert sein. Nun drauf sitzen und wieder messen. Nun sollten es 30-40 mm sein. Für Landstrasseneinstellung keinesfalls unter 30mm gehen !!!
Sollte es Euch nicht möglich sein, die Feder richtig einzustellen, solltet Ihr Euch Gedanken machen, ob Ihr die Federn kompl. austauscht oder überarbeiten (z.B. Hoffmann/Rottenburg) lasst.
Warum ist das so wichtig ? Wenn eine Feder zu sehr vorgespannt ist, dann kann sie nicht richtig arbeiten. Beim Befahren einer Bodenwelle in Schräglage drückt es die Schwinge gegen das Heck. Kann die Feder nicht einfedern, drückt die Schwinge das gesamte Heck nach oben. Fällt der Belag nach der Welle wieder steil ab, kann der Reifen der Unebenheit nicht mehr folgen, weil es keinen Federweg gibt, den die Feder beschreiten kann. Sie ist bereits ausgefedert. Der Reifen verliert den Kontakt und das Knie schleift endlich am Asphalt....wie auch die Verkleidung !!!
Bei richtig eingestellter Feder federt sie ein und wieder aus. Die Schwinge kann arbeiten !!!
Geschmacksache ist die Einstellung der Zug- und Druckstufe. Hier ist es allerdings wichtig, daß das Verhältniss zueinander passt.
Einfach das Moto am Tankdeckel nach unten drücken. Heck und Front sollten gemeinsam ein- und ausfedern. Das ist sehr wichtig, da ihr so in Schräglage ein neutral arbeitendes Moto habt. Die Einstellung der Zugstufe ist fast noch wichtiger und schwieriger als die Druckstufe. Ist sie vorne zu hart, versackt die Maschine nach dem Anbremsen in der Feder. Ist sie zu weich, beschreitet das Moto nen größeren Kurvenradius.
Wie gesagt, die Einstellungen der Dämpfung ist Geschmackssache ! Am Besten selber ausprobieren. Mal alles aufmachen und vorsichtig fahren, dann das Eine wieder kompl. schließen. So findet man von Zeit zu Zeit selber raus, was gut ist und was nicht. Leistung, verschiedene Fahrertypen und Straßenbelag machen hier eine Empfehlung unmöglich.
Nur sollte man eines nicht machen. Irgendein Setup von einem Testfahrer im Internet übernehmen. Viele Tests erfolgen auf der Rennstrecke. Dort kann man die Feder anders Einstellen als auf der Landstrasse. Und die Jungs bremsen am absoluten Limit...und beschleunigen maximal aus jeder Schräglage. Daß die Ihr Fahrwerk bretthart haben, ist logisch. Muß aber nicht jeder damit klar kommen auf einer holprigen Landstrasse...
Ich hoffe, ich konnte einigen weiterhelfen.





