Originalfassung von team x-treem (english), eingermaßen sinngemäß übersetzt von mir (vonDolling).
Anmerkung: Übt vielleicht nicht gleich mit eurer heißgeliebten R6!
Kriegst du dein Bike hoch?Wenn dein Motorrad keinen Beiwagen oder Anhänger hat, dann kann es vermutlich auch einen Wheelie. Ich habe schon Dirtbikes, Streetbikes und einige Standardbikes hochbekommen. Ich sah schon Harleys, Goldwings, Katanas und 125er gen Himmel blicken. Also, Ja - dein Motorrad kann einen Wheelie! Wheelies bestehen aus drei Teilen. 1. Dem Abheben, d.h. das Vorderrad vom Boden zu bekommen. 2. Dem Balanceakt, d.h. dein Motorrad solange wie du es sicher kannst zu fahren und zu schalten (das ist der schwierigste Teil). 3. Dem Runterkommen, d.h. das Vorderrad so vorsichtig wie möglich wieder auf die Strasse zu bekommen.
1. Das AbhebenDas Abheben ist nicht der schwierigste Teil des Wheelies, aber ich werde ihn am ausführlichsten erklären weil es hier die meisten Variationen gibt. Umso weniger Power du hast umso weniger Optionen bleiben dir. Ich werde das Abheben in drei Sektionen unterteilen: Ohne Unterstützung, mit Hilfe der Federung oder mit Hilfe der Kupplung.
1.1 Ohne UnterstützungDer vermutlich sicherste Weg einen Wheelie zu starten, nur leider funktioniert es so bei vielen älteren 600er-Modellen nicht. Einfach ausgedrückt muss man nur im ersten Gang ansteigend Gas geben und wenn das Bike genug Power hat kommt das Vorderrad von selbst hoch. Ich habe festgestellt dass das sehr gut an einer Suzuki TL1000s oder Yamaha R1 funktioniert. Es funktioniert nicht bei meiner 93 900rr, manchmal bei meiner Kawasaki ZX-11 und niemals bei meinem Poketbike. Wenn du eine 600er hast und sie gerne so dazu bewegen möchtest dann musst evtl. du die Übersetzung ändern. Mit einer Rennübersetzung funktioniert diese Methode, im Gegensatz zur Standardübersetzung, auch bei einer GSXR600. Wie genau geht das jetzt? Fahre das erste Drittel deines Tachobereichs im ersten Gang, dann - in dem Zeitraum den du brauchen würdest um "one-thousand-one" zu sagen - dreh das Gas voll auf.
1.2 Mit Hilfe der FederungOk, dein Bike kommt nicht von alleine hoch aber du willst auch nicht die Kupplung missbrauchen? Dann zeige ich dir ein paar Dinge die du tun kannst um den Gas-Wheelie zu unterstützen. Es braucht viel Übung bis das gut funktioniert, aber das Verständnis lässt sich auf jedes Bike anwenden. Such dir eine abschüssige Straße und versuche ob der Wheelie aufwärts funktioniert. Ist es einfacher? Sollte es auch. Der Grund ist dass sich dein Schwerpunkt nach hinten verlagert hat, das macht dein vorderes Ende leichter. Wenn du das Rad erstmal vom Boden weg hast, braucht es weniger Power es weiter steigen zu lassen.
Die ersten 2 Inch (ca. 5cm) sind die schwierigsten. Wenn du das nächste Mal auf deim Motorrad hockst, dann stell dich mit mit beiden Füßen fest auf den Boden und drücke so fest du kannst das vordere Ende gen Boden, lass es zurückkommen und lasse das vordere Ende auf und abfedern. Drücke es noch einmal fest und lass es dann wieder zurückkommen. Während der Fahrt kannst du ein ähnliches Verhalten mit dem Gas erreichen.
Wenn du schlagartig Gas gibst, dann kommt das Motorrad vorne ein wenig aus den Stoßdämpfern hoch. Wenn du dann am höchsten Punkt den Gashahn zugedrehst und die Motorbremse einsetzt, drückt das Gewicht des Bikes das vordere Ende wieder nach unten. Am tiefsten Punkt angekommen drehst du das Gas wieder voll auf, dann kannst du neben der der Kraft der Beschleunigung auch die der Federung nutzen um dein Vorderrad vom Boden abheben zu lassen. Tatsächlich ist das garnicht so schwer.
Als Beispiel nehme ich mal meine GSXR mit Standardübersetzung. Ich würde sie dann im ersten Gang bis auf 8500rpm fahren, dann den Gashahn zudrehen und wieder voll aufmachen. Ein bisschen am Lenker zu ziehen hilft auch. Das Aufdrehen des Gashahns muss hier viel schneller passieren als beim Gas-Wheelie. Nicht so schnell wie du kannst aber ich denke die komplette Bewegung sollte nicht länger als eine halbe Sekunde dauern, oder ein bisschen weniger.
Im Kern: Wenn du bereit bist, d.h. deinen Umdrehungen erreicht hast, lass das Gas los und dreh es gleich darauf voll auf.
1.3 Mit Hilfe der KupplungDu kriegst das Vorderrad immer noch nicht hoch? Tatsächlich finde ich sogar dass ein Kupplungs-Wheelie berechenbarer ist als alle anderen. Warum? Es ist viel einfacher das selbe immer und immer wieder zu tun. Fahre im zweiten Gang in ca 1/3 bis 1/2 deines Maximaltempos. So funktioniert es am besten an meiner GSXR-750 mit Standardübersetzung. Ich würde dann bei ca. 5000rpm im 2.Gang fahren, die Kupplung ziehen, dann den Motor auf Touren bringen so dass beim schnellen wiederfreigeben der Kupplung der Gashahn weit offen ist und der Tacho bei ca. 9-10.000rpm steht.
Das nächste was du wissen wirst ist das dein Vorderrad hoch oben in der Luft ist. Die Umdrehungen sind noch bei ca. 8.000 und der Gashahn weit offen. An diesem Punkt würde ich das Gas ein bisschen wegnehmen um den Balancepunkt des Motorrads zu finden. Um das an deinem eigenen Bike zu lernen, fange vorsichtig an deinem Kupplungspunkt an und steigere die Umdrehungen bei jedem Versuch ein wenig, bis dein Rad so hoch kommt dass du ein wenig Gas wegnehmen musst. Du solltest während du übst immer mite dem Fuß bei deiner Rückbremse bleiben, falls du einmal zu hoch steigen solltest. Im Notfall hilft auch schnelles Aufstehen um das Vorderrad wieder runter zu bekommen. Merk dir das unbedingt!
2. SchaltenOk, jetzt ist das Vorderrad oben, aber wie bleibt es oben? Schalten! Es ist viel einfacher als es scheint. Wenn du lange Strecken ohne Vollgas im ersten Gang fahren kannst, dann bist du mehr als bereit um zu schalten. Meine liebste Variante zu schalten ist ohne die Kupplung. Wenn du bisher noch nie ohne Kupplung geschalten hast, dann übe das erstmal auf zwei Rädern. Ziehe die Kupplung nach oben während du das Gas voll aufdrehst, dann lass das Gas ein wenig schnappen und wieder aufdrehen. Das ist der schnellste Weg zu schalten. Auf einem Rad ist der Punkt um zu schalten der, an dem du Gas wegnehmen musst um nicht nach hinten umzukippen, dazu musst du mit dem Vorderrad schon sehr hoch sein. Balance und Übung sind hier sehr wichtig. Übe vorallem das Schalten ohne die Kupplung.
3. RunterbringenSo, nun geht dein Vorderrad runter. Entweder weil du erschrocken bist und das Gas losgelassen hast oder du einfach keine Kraft mehr hast sie oben zu halten. Sei dir sicher dass das Vorderrad gerade nach vorne schaut und lass das Gas weit offen. Du willst das Vorderrad ja so bequem wie möglich runter bringen. Wenn du das Gas einfach loslässt wird deine Landung sehr hart werden, also lass es offen! Das Gas nur ganz langsam wegnehmen!
Oder, um auch runter zu kommen, nimm langsam das Gas weg und dreh es dann wieder auf bis dein Vorderrad aufkommt. Eventuell gibt es ein zirpendes Geräusch und manchmal - bei höheren Geschwindigkeiten - einen kleinen Wackler, aber solange das Rad gerade ist, ist das kein Problem.
4. KörperhaltungWo du deinen Körper platzierst, kann interessante Effekte haben. Wenn du all dein Gewicht auf deine Fußrasten legst und aufstehst, kommt man meiner Meinung nach sehr einfach zum Balancepunkt, das Schalten ist in dieser Position allerdings schwerer. Mein Grund warum es mir im Stehen einfacher scheint die Balance zu halten ist dass ich festgestellt habe dass man so keine Zeit damit verbringt den Körper am Platz zu halten, was sonst immer wieder die Hände am Lenker machen, indem sie den Körper hochziehen.
Ein anderer Grund könnte sein dass deine Füße bessere Balancesensoren sind als dein Hintern. Aufjedenfall ist es einen Versuch wert! Auf einer Seite zu hängen war etwas das ich Anfangs ohne es zu merken gemacht habe, dabei bin ich immer in eine Richtung abgekommen. Du wirst das vielleicht auch machen um zu sehen wohin es geht, denn wenn dein Vorderrad in der Luft ist, ist es schwer drüber zu sehen. Deshalb wirst du vielleicht die Tendenz haben dich auf eine Seite zu lehnen um einen Überblick zu bekommen. Man kann so übrigends auch lenken!
5. Schadet das meinem Motorrad?Am Anfang wirst du deinem Motorrad damit vermutlich mehr schaden als jemals sonst. Der Grund ist falsches Schalten, das Treten der Rückbremse oder hartes Aufkommen des Vorderrads. Du machst dir vielleicht deine Gabeldichtung kaputt und nutzt eventuell dein Lenklager schneller ab als normal. Das Lenkkopflager musst du definitiv öfter nachziehen als normal. Dein Hinterrad nutzt sich schneller ab. Deine Kette weitet sich, wenn du die Kupplungsmethode nutzt. Außerdem verschleißt der Kupplungskorb, die jähe Kraft der Kupplung kann ihn einkerben. Sowie alle Verschlüsse, die sich ein bisschen schneller abnutzen. Schließlich habe ich festgestellt dass die Spiegel und andere Anbauteile sich lösen und abfallen können, überprüfe sie also von Zeit zu Zeit
6. Wenn du dein Bike immer noch nicht hoch kriegst, versuchs mit mehr Umdrehungen!
Edited by vonDolling, 18 June 2010 - 06:43 Uhr.