Posted 13 September 2010 - 08:12 Uhr
Leute – das Objekt der Begierde heißt Supersportler! Und die lassen sich, auch wenn das kaum ein durchschnittlich begabter Fahrer noch „erfahren“ kann, nur verkaufen, wenn der Erfolg auf der Rennstrecke da ist. Leider hat da die Wirtschaftskrise für eine erhebliche Verkaufsdelle gesorgt. Jetzt wissen wir auch, dass amerikanische Grundstückspekulanten und Hedgefonds durchaus Einfluß auf die Modellpolitik japanischer Mopeds haben die unsereins lieb und teuer sind.
Was Aprilia und Kawa bei den Superbikes gerade vormachen, wird demnächst auch für die 600er kommen. Die Alltagstauglichkeit eines Supersportlers wird immer weiter in den Hintergrund gestellt. Bei den verkauften Stückzahlen muss man davon ausgehen, dass ein großer Teil an rundstreckenambitionierte Fahrer verkauft wird. Und die wollen das Bike, das gerade gewinnt. Trotzdem klappt das im Fall von Yamaha – die 2009 ja so ziemlich alle Zäune niedergerissen haben - nicht mehr so leicht. Das gibt zu denken und sorgt für die Verzögerung bei neuen Modellen. Größere Verkaufszahlen waren geplant, wurden aber nicht realisiert. Die schmelzen nun nicht die übriggebliebenen ein, sondern verkaufen bis die produzierten Teile weg sind. Ob es so zielführend ist, Traktionskontrolle und ABS in die Bikes einzubauen steht auf einem anderen Blatt. Die sind zwar im normalen Strassenbetrieb im Regen und bei ständig wechselndem Fahrbahnbelag und Gripverhältnissen durchaus angenehm, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass der Rennsport noch um einiges aufwändiger wird. Und das in Zeiten in denen die Teams reihenweise zusperren und alle darüber nachdenken, wie man die Kosten reduzieren kann. Wenn selbst Vale sagt, dass er sich die guten alten Zeiten zurückwünscht, in denen das Bike von der Gashand und nicht von der TC angeschoben wurde, zeigt das doch, dass diese Gimmiks eigentlich in Serienbikes gehören. Dafür bräuchte es aber entweder ein Gentlemens Agreement der Hersteller oder entsprechende Regeländerungen der FIM. Die reagieren aber erst, wenn nur noch 15 Fahrer im Kreis fahren, weil der Rest kein Geld mehr hat (siehe auch Moto2 - und die ist nun wirklich der Brüller was die Show angeht). Möglich, dass die nächste R6 ein Kassettengetriebe hat, aber das macht sie deshalb auch nicht schneller. Das macht erst wirklich Sinn, wenn Übersetzungen z.B. im Supersportbereich geändert werden dürfen. Eine Regeländerung in dieser Richtung würde die Kosten (bei einem 125er PR von Honda kostet der Radsatz über 25.000 Euronen) und den Aufwand für einen Getriebespezialisten im Supersportbereich für ein Team aber schnell um weitere 75-100.000 pro Jahr erhöhen. Ob das tatsächlich einer will, wage ich zu bezweifeln. Bliebe dann nur der Vorteil der Servicefreundlichkeit, was bei einem serienmäßigen Schaltautomaten für die Werkstätten und den Normalverbraucher auf der Strasse dann auch dringend notwendig wäre. Denn wie lange hält ein Getriebe, bei dem im Strassenbetrieb die Gänge nur noch mit Schaltautomat hochgeschaltet werden?
Alles in allem werden die 600er und 1000er Supersportler in Zukunft stetig teuerer werden und eigentlich nur noch Produktion-Racer mit Strassenzulassung sein. In wie weit die für den Erfolg auf der Piste notwendigen Extras dann serienmäßig verbaut sind, werden die Hersteller über die Verkaufszahlen sorgfältig austüfteln müssen, weil eben immer mehr Fahrer an den Punkt kommen, an denen ihnen ein anderes Bike aus der Modellpalette für den Straßenbetrieb sportlich genug ist.